Hernienarten und Netzauswahl
Eine Hernie ist der Vorfall von Gewebe durch einen Defekt in der Wand, die es enthalten sollte. Die Art benennt, wo dieser Defekt liegt — aber es sind der Zugangsweg und vor allem die anatomische Schicht, in der das Netz liegen wird, die bestimmen, welche Netzeigenschaften tatsächlich zählen.
Warum das wichtig ist
Eine Hernie zu benennen sagt, wo sie ist, nicht womit man sie versorgt. Die Eigenschaft, die die Anforderung an das Netz am schärfsten verändert, ist überhaupt nicht der Name der Hernie: Es ist die Frage, ob das Netz am Ende Kontakt zu Eingeweiden hat. Diese eine Frage trennt die Konstruktionen deutlicher als jede andere.
Was eine Hernie ist
Eine Hernie hat drei benennenswerte Bestandteile: den Defekt, also die Öffnung in der Wand; den Bruchsack, die vor das vorfallende Gewebe geschobene Auskleidung; und den Inhalt, also das, was hindurchgetreten ist. Die Versorgung adressiert den Defekt. Bruchsack und Inhalt werden dabei mitversorgt.
Hernien werden üblicherweise nach der anatomischen Lage des Defekts benannt, weshalb das Vokabular wie ein Rundgang durch die Bauchwand wirkt.
Die gängigen Arten
Leistenhernien treten in der Leiste durch den Leistenkanal auf und sind mit weitem Abstand die häufigsten. Schenkelhernien zeigen sich knapp unterhalb des Leistenbands durch den Schenkelkanal, seltener, aber anatomisch eigenständig.
Nabelhernien treten am oder unmittelbar um den Nabel auf, wo die Bauchwand eine natürliche Schwachstelle hat. Epigastrische Hernien treten in der Mittellinie darüber auf.
Narbenhernien, eine Untergruppe der ventralen Hernien, treten im Bereich einer früheren Operationsnarbe auf — die Wand wurde eröffnet und verschlossen, und der Verschluss hat nachgegeben. Sie können groß und unregelmäßig sein, weshalb gerade in dieser Gruppe die Netzauswahl am meisten diskutiert wird.
Hiatushernien sind ein anderes Problem: Der Defekt liegt im Zwerchfell am Ösophagushiatus, und sowohl die Versorgung als auch die Frage, ob überhaupt ein Netz verwendet wird, werden getrennt von den Bauchwandhernien betrachtet.
Die Schicht zählt mehr als der Name
Wo das Netz in der Bauchwand liegt, ist die Entscheidung, die alles Weitere bestimmt. Beim Onlay liegt das Netz auf der Faszie; beim Sublay — retromuskulär oder präperitoneal — liegt es hinter dem Muskel, aber noch außerhalb des Peritoneums; bei intraperitonealer Lage liegt es in der Bauchhöhle.
Nur Letzteres bringt das Netz in Kontakt mit Darm, und genau dafür gibt es eine Verbund- oder Barrierekonstruktion: eine Seite für das Einwachsen von Gewebe, die andere eine glatte, den Eingeweiden zugewandte Barriere. Ein einfaches Polypropylennetz ist für diese Lage nicht ausgelegt. Die Netzkonstruktion beschreibt, wie diese Laminate aufgebaut sind.
Offen oder laparoskopisch verändert die Anforderungen
Bei offener Versorgung lässt sich das Netz von Hand flach platzieren, zuschneiden und von beiden Seiten fixieren. Laparoskopisch muss dasselbe Netz gerollt, durch einen Trokar eingebracht, in der Höhle entrollt, ohne Zugriff auf beide Seiten positioniert und nur von einer Seite fixiert werden.
Damit werden Handhabungseigenschaften — wie es sich entrollt, ob es die Faltung „erinnert“, wie es sich anlegt — zu funktionalen Anforderungen und nicht zu Annehmlichkeiten, und die Verträglichkeit mit einer bestimmten Fixierungsmethode wird Teil der Auswahl. Die Netzfixierung behandelt Tacker, Nahtmaterial und Klebstoffe.
Wo Porengröße und Gewicht hineinspielen
Porengröße und Flächengewicht sind die am häufigsten zitierten und am häufigsten vereinfachten Eigenschaften. Leichter ist nicht automatisch besser: Weniger Material bedeutet weniger Steifigkeit und kann weniger Festigkeit bedeuten, und die aus der Wirkstruktur folgende Porengeometrie beeinflusst, wie Gewebe in das Netz integriert.
Es sind Abwägungen, die zur Versorgung passen müssen, keine Rangfolge. Porengröße und Gewicht von Netzen legt dar, was diese beiden Eigenschaften tatsächlich beschreiben.
Überlappung und Größe
Ein Netz muss deutlich über die Ränder des Defekts hinausreichen und ihn nicht nur decken, damit die Kräfte über der Versorgung von der umgebenden Wand getragen und nicht am Rand der Öffnung konzentriert werden. Wie viel Überlappung eine bestimmte Technik verlangt, ist eine chirurgische Entscheidung, die sich nach der Technik und der Gebrauchsanweisung des Produkts richtet.
Nicht jede Hernie wird mit Netz versorgt
Kleine Defekte werden mitunter allein mit Nähten verschlossen, und es gibt Umstände — ein kontaminiertes oder infiziertes Operationsgebiet ist der deutlichste —, unter denen sich die Abwägung zur Implantation eines dauerhaften Kunststoffs vollständig ändert. Ob ein Netz verwendet wird, welches und wohin es kommt, sind klinische Entscheidungen der Operateurin oder des Operateurs.
Wichtige Begriffe
- Defekt
- Die Öffnung in der Bauchwand, durch die Gewebe vorfällt. Das, was eine Versorgung adressiert.
- Bruchsack
- Die vor den Bruchinhalt geschobene Auskleidungsschicht.
- Ventrale Hernie
- Hernie der vorderen Bauchwand. Narbenhernien sind die Untergruppe im Bereich einer früheren Narbe.
- Onlay
- Netz auf der Faszie, oberflächlich zur Muskelschicht platziert.
- Sublay
- Netz hinter dem Muskel — retromuskulär oder präperitoneal — aber außerhalb des Peritoneums.
- Intraperitoneal (IPOM)
- Netz in der Bauchhöhle, wo es Kontakt zu Eingeweiden haben kann. Die Lage, die eine Barrierekonstruktion verlangt.
- Überlappung
- Das Maß, um das das Netz über die Ränder des Defekts hinausreicht.
- Rezidiv
- Erneutes Auftreten einer Hernie an derselben Stelle nach der Versorgung.
Technische Eigenschaften
- Leistenhernie
- Leiste, durch den Leistenkanal — die häufigste Art
- Schenkelhernie
- Unterhalb des Leistenbands, durch den Schenkelkanal
- Nabelhernie
- Am oder unmittelbar um den Nabel
- Epigastrische Hernie
- Mittellinie der Bauchwand oberhalb des Nabels
- Narbenhernie / ventral
- Im Bereich einer früheren Operationsnarbe
- Hiatushernie
- Ösophagushiatus des Zwerchfells; getrennt betrachtet
- Entscheidende Variable für die Netzwahl
- Die anatomische Schicht, in der das Netz liegen wird
- Entscheidende Frage
- Wird das Netz Kontakt zu Eingeweiden haben?
Im Vergleich
| Platzierung | Kontakt zu Eingeweiden? | Was entscheidend wird |
|---|---|---|
| Onlay — auf der Faszie | Nein | Fixierung und Handhabung |
| Sublay — retromuskulär oder präperitoneal | Nein | Anschmiegsamkeit, Porengröße und Gewicht |
| Intraperitoneal (IPOM) | Ja | Eine Verbund- oder Barrierekonstruktion mit viszeraler Seite |
Was Kliniker bei der Auswahl abwägen
Die Schicht
Ob das Netz Darm berührt, ist die Frage, die einfache von Verbundkonstruktionen trennt. Sie wiegt schwerer als der Name der Hernie.
Der Zugangsweg
Eine laparoskopische Versorgung macht Entrollen und flaches Anliegen zu funktionalen Anforderungen und schränkt die nutzbaren Fixierungsmethoden ein.
Das Operationsgebiet
Eine Kontamination ändert die Abwägung zur Implantation eines dauerhaften Kunststoffs vollständig.
Die Fixierung
Netz und Art der Fixierung werden gemeinsam gewählt; nicht jede Methode passt zu jeder Konstruktion oder Lage.
Die Gebrauchsanweisung ist maßgeblich
Indikationen, Platzierung, Kontraindikationen und etwaige Lagebeschränkungen stehen in der Gebrauchsanweisung des jeweiligen Produkts, dem kontrollierten Dokument.
Häufig gestellte Fragen
Welche Hernienart ist die häufigste?
Leistenhernien, die in der Leiste durch den Leistenkanal auftreten, sind mit weitem Abstand die häufigste Art.
Braucht jede Hernie ein Netz?
Nein. Kleine Defekte werden mitunter allein mit Nähten verschlossen, und es gibt Situationen — etwa ein kontaminiertes Operationsgebiet —, in denen die Implantation eines dauerhaften Kunststoffnetzes ganz anders abgewogen wird. Ob ein Netz verwendet wird, ist eine klinische Entscheidung der Operateurin oder des Operateurs.
Welches Netz wird bei laparoskopischer Versorgung verwendet?
Das hängt von der Schicht ab, in der das Netz liegen wird, und nicht vom Zugangsweg an sich. Soll das Netz in der Bauchhöhle mit Kontakt zu Eingeweiden liegen, verlangt diese Lage eine Verbund- oder Barrierekonstruktion. Laparoskopisch kommt es zudem stark darauf an, wie sich das Netz entrollt und flach anlegt.
Warum wird ein Verbundnetz verwendet, wenn es Darm berührt?
Weil die beiden Seiten verschiedene Aufgaben haben. Die eine soll mit der Bauchwand verwachsen, während die viszerale Seite eine glatte Barriereschicht ist. Ein einfaches Polypropylennetz ist für diese Lage nicht konstruiert.
Spielt das Netzgewicht eine Rolle?
Es ist eine Abwägung und keine Rangfolge. Weniger Material bedeutet weniger Steifigkeit und kann weniger Festigkeit bedeuten, und die zur Wirkstruktur gehörende Porengeometrie beeinflusst die Gewebeintegration. Leichter ist nicht automatisch besser; es wird auf die Versorgung abgestimmt.
Kann eine Hernie nach einer Netzversorgung wiederkommen?
Ein Rezidiv ist nach jeder Hernienversorgung möglich. Es ist multifaktoriell — Größe und Lage des Defekts, Technik, Platzierung und Fixierung des Netzes sowie patientenbezogene Faktoren tragen alle bei —, weshalb den chirurgischen Entscheidungen zu Lage und Überlappung so viel Aufmerksamkeit gilt.
Gebrauchsanweisung
Dieser Artikel beschreibt Hernienarten und die Überlegungen, nach denen Netzeigenschaften auf eine Versorgung abgestimmt werden. Er nennt für kein einzelnes Produkt Indikationen, Kontraindikationen, Lagebeschränkungen oder Technik. Diese stehen in der dem Produkt beiliegenden Gebrauchsanweisung, dem kontrollierten Dokument und der einzig richtigen Quelle dafür.
Medizinischer und regulatorischer Hinweis
Dieser Artikel ist allgemeine Referenzinformation für medizinisches Fachpersonal darüber, wie eine Produktklasse funktioniert. Er ersetzt nicht die dem Produkt beiliegende Gebrauchsanweisung, ist keine klinische Handlungsanweisung und beschreibt nicht den regulatorischen Status eines bestimmten Produkts in einem bestimmten Markt. Verfügbarkeit, Indikationen und Klassifizierung unterscheiden sich je nach Rechtsraum. Klinische Entscheidungen über einen Patienten trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
