Nahtmaterial aus Polyamid (Nylon)
Polyamid, gemeinhin Nylon genannt, ist ein synthetisches nicht resorbierbares Nahtmaterial, das aus sich wiederholenden, durch Amidbindungen verknüpften Einheiten aufgebaut ist. Nylon in Nahtmaterialqualität wird üblicherweise aus Caprolactam polymerisiert und als Monofilament extrudiert. Es wird als nicht resorbierbar eingestuft, obwohl die Amidbindung im Gewebe langsam hydrolysiert.
Warum das wichtig ist
Polyamid ist die klarste Veranschaulichung dessen, was die Einstufung als nicht resorbierbar behauptet und was nicht. Sein Rückgrat enthält Amidbindungen, und eine Amidbindung ist hydrolysierbar — Nylon reagiert im Gewebe also tatsächlich langsam mit Wasser, auf einer Zeitskala, die sich von der eines resorbierbaren Nahtmaterials deutlich unterscheidet. Es wird dennoch als nicht resorbierbar eingestuft, denn die Einstufung hängt davon ab, ob der Körper das Material im Rahmen seiner normalen Chemie verstoffwechselt, und nicht davon, ob das Material ewig unverändert bleibt. Die Kategorie als „für immer inert" zu lesen, ist ein Missverständnis; sie als „nicht verstoffwechselt" zu lesen, ist präzise, und das ist es, was Behandelnden erlaubt, redlich über das Material zu urteilen.
Wie Nylon hergestellt wird
Polyamid ist ein Makromolekül, dessen sich wiederholende Einheiten durch Amidbindungen verknüpft sind — chemisch dieselbe Verknüpfung, die in einem Protein eine Aminosäure mit der nächsten verbindet. Nylon in Nahtmaterialqualität ist gemeinhin Nylon 6, und der Weg dorthin ist die ringöffnende Polymerisation: Caprolactam, ein zyklisches Amid, wird unter Hitze in einer inerten Atmosphäre am Ring aufgebrochen, und die geöffneten Einheiten verbinden sich zu langen Ketten. Das geschmolzene Polymer wird anschließend durch eine Spinndüse extrudiert, um es zu Filamenten auszuziehen.
Der Name trägt die Chemie in sich. Der Ring des Caprolactams enthält sechs Kohlenstoffatome, also ist das daraus hergestellte Polymer Nylon 6. Andere Nylons — polymerisiert aus anderen Monomeren oder aus Monomerpaaren — sind nach demselben Prinzip nummeriert, und die Zahlen zählen Kohlenstoffatome, statt irgendetwas zu bewerten.

Der interessante Teil: nicht resorbierbar, aber nicht unveränderlich
Hier liegt die Nuance, die Polyamid lesenswert macht. Eine Amidbindung ist hydrolysierbar — Wasser kann sie spalten. Das ist keine nebensächliche Behauptung über Nylon; es ist derselbe Grund, aus dem die Peptidbindungen in einem Protein abgebaut werden können. Und im Gewebe hydrolysieren die Amidbindungen von Nylon über lange Zeiträume tatsächlich langsam. Das Material ist chemisch nicht eingefroren.
Dennoch wird Polyamid als nicht resorbierbar eingestuft, und das zu Recht. Die Einstufung fragt danach, ob der Körper das Material abbaut und im Rahmen seiner normalen Chemie verstoffwechselt — so, wie er mit einem resorbierbaren Nahtmaterial umgeht, auf einer an der Wundheilung gemessenen Zeitskala. Mit Nylon wird nicht so verfahren. Die langsame Hydrolyse seiner Amidbindungen ist eine Tatsache der Chemie des Polymers, die auf einer ganz anderen Zeitskala wirkt, und sie macht das Material nicht resorbierbar in dem Sinne, den die Kategorie meint.
Die Lehre daraus lässt sich über diesen ganzen Bereich verallgemeinern. „Nicht resorbierbar” ist eine Aussage über den Stoffwechsel und kein Versprechen von Dauerhaftigkeit. Seide ist das andere Mitglied der Klasse, das denselben Punkt aus einer anderen Richtung macht. Polypropylen, dessen Rückgrat eine reine Kohlenwasserstoffkette ohne jede hydrolysierbare Bindung ist, ist der Gegenfall. Alle drei stehen in derselben Kategorie, und ihre Chemie ist nicht dieselbe — was genau der Grund dafür ist, dass die Kategorie ein Ausgangspunkt für das Urteilen ist und nicht dessen Ende, und weshalb das, was ein gegebenes Produkt im Lauf der Zeit tut, in seiner Gebrauchsanweisung angegeben und nicht aus seiner Klasse abgeleitet wird.
Konstruktion und Farbe
Nahtmaterial aus Polyamid wird gemeinhin als Monofilament extrudiert: ein durchgehendes Filament, keine Zwischenräume zwischen Filamenten und daher keine Kapillarität. Geflochtenes Polyamid gibt es ebenfalls, und die Abwägungen dort sind jene, die die Geflechtkonstruktion stets mit sich bringt — Geschmeidigkeit und Knotensitz auf der einen Seite, Zwischenräume und Oberflächenstruktur auf der anderen.
Als Monofilament trägt Nylon Memory: Es hält die Form der Verpackung und muss aus ihr herausgearbeitet werden. Es wird gemeinhin schwarz gefärbt geliefert, was eine Hilfe zur Identifikation und Sichtbarkeit ist und keinen Einfluss darauf hat, wie sich das Material verhält. Farb- und Stärkenverfügbarkeit sind produktspezifisch; die Produktseite führt auf, was angeboten wird.
Wichtige Begriffe
- Polyamid
- Ein Makromolekül, dessen sich wiederholende Einheiten durch Amidbindungen verknüpft sind — dieselbe Verknüpfung, die in einem Protein die Aminosäuren verbindet. Nylon ist die gebräuchliche synthetische Familie.
- Caprolactam
- Ein zyklisches Amid mit einem Ring aus sechs Kohlenstoffatomen. Es ist das Monomer, aus dem Nylon 6 hergestellt wird; die sechs Kohlenstoffatome sind das, was die „6" im Namen zählt.
- Ringöffnende Polymerisation
- Eine Polymerisation, bei der der Ring eines zyklischen Monomers aufgebrochen wird und sich die entstehenden Einheiten zu einer Kette verbinden. So wird aus Caprolactam Nylon 6.
- Spinndüse
- Eine Düse mit feinen Öffnungen, durch die geschmolzenes Polymer extrudiert wird, um Filamente zu bilden. Es ist der Schritt, der aus Nylon in der Masse eine Faser macht.
- Monofilament
- Ein als einzelnes durchgehendes Filament extrudierter Faden. Er hat keine Zwischenräume zwischen Filamenten und daher keine Kapillarität.
- Memory
- Die Neigung eines Fadens, in die Form zurückzukehren, in der er verpackt war. Es ist eine Eigenschaft des Polymers und der Extrusion.
- USP
- United States Pharmacopeia. Legt die Anforderungen an Stärke und Reißfestigkeit fest, die ein Nahtmaterial in jeder Größe erfüllen muss. Das Europäische Arzneibuch (EP) legt einen parallelen Standard fest.
Technische Eigenschaften
- Zusammensetzung
- Synthetisches Polyamid — sich wiederholende, durch Amidbindungen verknüpfte Einheiten. Nylon in Nahtmaterialqualität ist gemeinhin Nylon 6, polymerisiert aus Caprolactam.
- Konstruktion
- Monofilament; geflochtene multifile Formen existieren ebenfalls
- Einstufung der Resorption
- Nicht resorbierbar — wird vom Körper nicht verstoffwechselt
- Verhalten im Gewebe
- Die Amidbindung hydrolysiert in vivo langsam, sodass das Material trotz seiner Einstufung chemisch nicht unveränderlich ist. Die Geschwindigkeit und ihre Folgen für ein Produkt sind in der Gebrauchsanweisung dieses Produkts angegeben.
- Kapillarität
- Keine in monofiler Form — eine Folge der Konstruktion
- Farbe
- Gemeinhin gefärbt (schwarz) erhältlich
- Reißfestigkeitserhalt & Verweildauer im Gewebe
- Angegeben in der dem Produkt beiliegenden Gebrauchsanweisung — diese Angaben sind produktspezifisch und werden hier nicht wiedergegeben.
- Indikationen
- Angegeben in der Gebrauchsanweisung. Polyamid ist nicht für jeden Gewebetyp indiziert; die Gebrauchsanweisung nennt die Ausschlüsse.
- Normen
- Gefertigt zur Erfüllung der Anforderungen von USP und EP an nicht resorbierbares chirurgisches Nahtmaterial
Im Vergleich
| Material | Herkunft | Konstruktion | Chemie des Rückgrats |
|---|---|---|---|
| Polyamid (Nylon) | Synthetisch (Polyamid) | Monofile und geflochtene Formen | Amidbindungen; hydrolysieren in vivo langsam |
| Polypropylen | Synthetisch (lineares Polyolefin) | Monofilament | Kohlenstoff-Kohlenstoff-Kette; keine hydrolysierbare Bindung |
| Polyester (PET) | Synthetisch (Polyethylenterephthalat) | Geflochten, multifil, gemeinhin beschichtet | Esterbindungen in einer aromatischen Kette |
| Seide | Natürlich (verarbeitete Proteinfaser) | Geflochten, multifil | Peptidbindungen (Fibroin-Protein) |
| Edelstahl | Metallisch (Legierung 316L) | Monofile und multifile Formen | Kein Polymer — metallisch |
Was Kliniker bei der Auswahl abwägen
Ein nicht resorbierbares Material, das sich dennoch verändert
Polyamid wird als nicht resorbierbar eingestuft, und seine Amidbindungen hydrolysieren im Gewebe dennoch langsam. Die maßgebliche Frage für ein dauerhaftes Implantat ist nicht, in welche Kategorie das Material fällt, sondern was die Gebrauchsanweisung des Produkts über sein Verhalten im Lauf der Zeit angibt.
Monofile Konstruktion
Ein Monofilament hat keine Zwischenräume und keine Kapillarität und führt eine glatte Oberfläche durch das Gewebe. Ob dies die Eigenschaften sind, auf die es ankommt, ist eine Frage des Operationsfeldes und nicht der Spule.
Handhabung und Memory
Polyamid trägt Memory, wie Monofilamente es im Allgemeinen tun. Wie sich die Steifigkeit eines Fadens auf die Knüpftechnik auswirkt, ist eher eine Frage der Präferenz und der Ausbildung des Chirurgen als eine Rangfolge von Materialien.
Entfernung im Verhältnis zur dauerhaften Implantation
Die maßgebliche Frage ist, ob dieser Faden nach der Heilung entfernt wird oder verbleibt. Das Material dient beidem, und die oben genannte langsame Hydrolyse ist nur im zweiten Fall abzuwägen.
Stärke und Nadel
Die Größe nach USP bestimmt die Festigkeit, die der Faden erfüllen muss. Die Nadelgeometrie wird nach dem Gewebe und nicht nach dem Nahtmaterial ausgewählt.
Regulatorischer Status in Ihrem Markt
Die zugelassenen Indikationen unterscheiden sich je nach Markt. Die dem Produkt in Ihrem Land beiliegende Gebrauchsanweisung ist das maßgebliche Dokument.
Häufig gestellte Fragen
Ist Nylon dasselbe wie Polyamid?
In diesem Zusammenhang ja. Polyamid ist die chemische Klasse — Makromoleküle, die durch Amidbindungen verknüpft sind — und Nylon ist die gebräuchliche Bezeichnung für die synthetischen Polyamide. Nylon in Nahtmaterialqualität ist gemeinhin Nylon 6.
Warum heißt es Nylon 6?
Weil es aus Caprolactam polymerisiert wird, einem zyklischen Amid, dessen Ring sechs Kohlenstoffatome enthält. Die Zahl zählt die Kohlenstoffatome in der Monomereinheit.
Wenn Polyamid hydrolysiert, warum wird es dann als nicht resorbierbar bezeichnet?
Weil die Einstufung davon abhängt, ob der Körper das Material verstoffwechselt, und nicht davon, ob das Material chemisch unveränderlich ist. Die Amidbindungen von Nylon reagieren im Gewebe tatsächlich langsam mit Wasser, aber das Material wird nicht so abgebaut und verstoffwechselt, wie es bei einem resorbierbaren Nahtmaterial der Fall ist, und es wird entsprechend eingestuft.
Ist Nahtmaterial aus Polyamid ein Monofilament?
Üblicherweise ja. Es wird gemeinhin als einzelnes durchgehendes Filament extrudiert, sodass es keine Zwischenräume und keine Kapillarität hat. Geflochtenes Polyamid existiert ebenfalls.
Wie lange behält Polyamid seine Reißfestigkeit?
Das ist produktspezifisch und in der dem Produkt beiliegenden Gebrauchsanweisung angegeben. Wir veröffentlichen keine Angaben zum Reißfestigkeitserhalt außerhalb dieses Dokuments, da die Gebrauchsanweisung die kontrollierte Quelle ist.
Warum ist Nahtmaterial aus Nylon schwarz?
Es wird gemeinhin schwarz gefärbt geliefert, als Hilfe zur Identifikation und zur Sichtbarkeit gegenüber dem Gewebe. Die Farbverfügbarkeit ist produktspezifisch.
Gebrauchsanweisung
Die dem Produkt beiliegende Gebrauchsanweisung ist das kontrollierte Dokument für Indikationen, Kontraindikationen, Angaben zum Reißfestigkeitserhalt sowie für Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen. Wo dieser Artikel und die Gebrauchsanweisung voneinander abweichen, gilt die Gebrauchsanweisung. Die zugelassenen Indikationen unterscheiden sich je nach Markt.
Medizinischer und regulatorischer Hinweis
Dieser Artikel enthält allgemeine Nachschlageinformationen über ein Nahtmaterial für medizinische Fachkreise. Er ist keine medizinische Beratung, keine Empfehlung für einen Eingriff oder eine Patientin bzw. einen Patienten und kein Ersatz für die dem Produkt beiliegende Gebrauchsanweisung oder für die klinische Beurteilung. Produktverfügbarkeit und zugelassene Indikationen unterscheiden sich je nach Markt. Dolphin Sutures fertigt chirurgisches Nahtmaterial; nichts hiervon ist als Aussage über einen klinischen Nutzen oder über einen Vorteil gegenüber einem anderen Material zu verstehen.